Montag, 31. Oktober 2011
Heute Morgen mit den Lemmingen
Ich bin heute Morgen schon wieder von einer Horde Lemminge fast über den Haufen gefahren worden. Ich nenne Lemminge diese Riesenmeute von Menschen, die jeden Morgen genervt zu ihrem Job fährt, allein. Und am späten Nachmittag oder frühen Abend wieder heimkehren. Genervt. Was a) nicht heißen soll, dass ich nicht auch manchmal als Lemming unterwegs bin und b) dass ich durchaus Verständnis für Menschen habe, die lemmingmäßig unterwegs sind. Ich bin halt ein großzügiger Typ.
Und wer das Wort Lemming scheußlich findet, dem sei gesagt, dass ich bei diesen Jobfahrern ganz bewusst nicht von menschlichen Individuen spreche, sondern von einem Bestandteil einer großen riesigen Masse. Denn irgendwie scheint Arbeit Menschen ja zu entindividualisieren. Keine Ahnung, was denn an entindividualisieren falsch sein soll, du blödes Word!
Lemminge tragen Anzüge, Kostüme, Krawatten und spießige Damenschuhe mit, aber gefühlt ohne Absatz. Lemminge langweilen sich bei ihrem Job, ohne das wirklich zuzugeben. Sie lästern dafür gerne über die anderen Lemminge. Lemminge sind ständig in Konkurrenzkämpfe verwickelt und sie geben gerne mit ihren Autos an, falls ihr Gehalt denn überhaupt zu einem derartigen Statement taugt. Das Schlimmste sind die 35-40 jährigen Audi-Kombi-Typen. Frauchen und Kind zu Hause und zugeschüttet mit zu viel Geld. Was ihnen wiederum das Gefühl vermittelt, alles zu können und vor allem alles zu dürfen. Lemminge überschätzen sich konsequent, immer, weswegen sie ja auch dauernd irgendwo runterfallen. Ohne es zu merken. Lemminge reinkarnieren nämlich sofort. Ist so eine Fähigkeit, glaube ich. Es gibt halt nichts, was man nicht ignorieren könnte.

Kennt Ihr Leute, die ihren Job lieben?

Ja? Wie viele? Zwei? Ganz ehrlich. Ich kenne bestenfalls Leute, die ihren Job okay finden. Dafür, dass sie damit vierzig und mehr Stunden in der Woche verbringen, plus Lemming-Fahrzeiten und Besprechungen zu Hause über den Job, ziemlich mau, finde ich.
Ich jedenfalls hasse meinen Job. Zum Glück muss/darf ich da nicht vierzig Stunden in der Woche hin. Ich bin Archäologe. Und wenn jetzt jemand glaubt, Archäologie sei so eine coole Abenteurerkiste mit coolen Indiana Jones und Lara Croft-Typen, der hat sich aber mal ganz heftig geschnitten. Langweiler, so weit das Auge blickt. Schmetterlingssammler, Sortierer, unkreativ bis dorthinaus. Unkritisch bis…na total halt. Und obwohl man sich doch mit der Vergangenheit von Menschen beschäftigt, spielen die gar keine Rolle. Seltsam. Blöd.
Und damit mal keiner denkt, ich wäre mit dieser Soße nur überfordert und deswegen chronisch unerfolgreich. Nein, ist nicht der Fall. Ich hätte aber trotzdem lieber Jura studiert oder wäre Regisseur geworden. Aber da ist ja auch nur alles voll mit Lemmingen. Aber als Jurist kann man die Viecher wenigstens mit ihren eigenen Waffen schlagen. Was nicht heißt, dass ich von irgendeiner Klippe springen will. Obwohl ich Klippen mag, aber das ist eine andere Sache.

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