Montag, 12. Dezember 2011
Alienkinder
Bei uns zu Hause wohnt ein Alien. Es ist vier Jahre alt, bezeichnet sich selbst als Meeresexperten, quasselt den lieben langen Tag in einem entfernt an Japanisch und Englisch erinnernden Kauderwelsch und erfindet Worte wie Pupspuster und Regenrinnenlachs. Morgens sehe ich immer nur den klagenden Blick, mit dem sich das Alien in den Kindergarten verabschiedet, um dort verzweifelt zu versuchen, mit den Anwesenden zu kommunizieren, die jünger sind als fünfundzwanzig. Dann denke ich, oh du armes Alien, es wird nicht besser werden. Nicht in den nächsten fünfzehn bis sechzehn Jahren.
Weil es nur wenige Aliens auf diesem Planeten gibt, ist es recht schwierig, andere zu treffen. Von der Liebe will ich mal gar nicht sprechen. Da heißt es durchhalten und Augen auf.
Aber überall tummeln sich stumpfsinnige Haifische, tumbe Pantoffeltierchen und eitle Amöben. Und sie alle halten sich für besser, schlauer, stärker und fitter als das Alien. Neben der Eitelkeit ist wohl die Selbstüberschätzung der nervigste menschliche Zug und offenbar kann man gar nicht früh genug damit anfangen, diesbezüglich Kompetenzen zu erwerben. Und dann kommt da noch das elende Gefängnis für alle Aliens mit grausamen Insassen und gnadenlosen Wärtern, welches man Schule nennt. Als ich damit fertig war, sank ich auf die Knie, rief meinen Schöpfer an und dankte für die erfolgreiche Flucht. Heute muss ich versuchen, dem Alien dieses Gefängnis schmackhaft zu machen. Ganz schön übel.

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