Mittwoch, 11. Januar 2012
Die Genetik des idiotiefreien Großwerdens
Ich habe eine riesige CD-Sammlung und so viele Songs beschäftigen sich mit dem Erwachsen-Werden. Als gäbe es irgendwann einen Zauber, der die Zweifel beseitigt, das Gefühl klein zu sein. Kleiner als man sich fühlt. Heißt erwachsen zu sein, nicht mehr zu zweifeln? Weniger zu zweifeln? Ein kleines bisschen?
Das englische great bedeutet groß und großartig. Ziel des Erwachsenwerdens kann aber doch auch nicht sein, sich selbst großartig zu finden. Hm. Zumindest scheint mir das nicht ganz frei von narzisstischen Allüren.

Ich stelle fest, ich bin schon viel zu alt, um mit über solche Dinge Gedanken zu machen.
Den Unterschied zwischen Junge und Mann. Auch hier ist das Englische besser. Boy kann man auch noch sein, wenn man groß ist. Aber wann wird aus Superboy Superman? Supergirl bleibt immer Supergirl. Ich komme nicht weiter.
Ist man groß, wenn einen die anderen dafür halten? Wenn man sich nicht mehr auf der Nase rumtanzen lässt? Ich kenne Fünfjährige, die haben das schon geschafft und sind trotzdem noch weit davon entfernt, erwachsen zu sein. Naja, vielleicht weniger weit, als man denkt. Anna Ternheim singt, „you die when you´re young“ und tatsächlich habe ich oft das Gefühl, die Menschen schütteln etwas ab, wenn sie groß werden. Dreißig. Ist wirklich so. Wie eine Schlange, die sich häutet und für immer ihre neue Gestalt behält (was bei Schlangen natürlich nicht der Fall ist).
Erwachsen zu sein…- könnte das bedeuten, die eigenen Entscheidungen zu akzeptieren? Dabei handelt es sich ja wohl eher um ein positives Symptom, nicht die Ursache.
Jetzt könnte man natürlich einfach sagen, erwachsen zu sein, heißt, reif zu sein. Reif für was?, frage ich mich. Den Ernst des Lebens?
Um den zu erkennen, reichen ein paar Idioten doch völlig aus. Um sich kleiner zu fühlen bedarf es Idioten. Ohne geht es nicht. Um großartige Musik zu machen, braucht man Idioten und wenn man von sich selbst erzählt. Definitiv heißt aber erwachsen nicht, kein Idiot mehr zu sein, das hat die Welt in mehreren tausend Jahren empirisch nachgewiesen.
Idioten sind das Gegenteil von erwachsen, aber es gibt Unmengen von erwachsenen Idioten. Offenkundig ist Idiotie losgekoppelt von Erwachsensein, vermutlich genetisch bedingt. Menschen sind genetisch bedingt Idioten, zumindest die meisten. Und wenn die erwachsen sind, sind sie erwachsene Idioten. Ha, ich hab´s.
Idioten zweifeln nicht. Sie sind erwachsen einfach das, was sie schon immer waren. Auf seine ganz eigene Art ist also jeder Idiot erleuchtet. Das erscheint ungerecht, aber leider zwingend logisch.
Wie sagte schon Konfusius: Der Idiot fragt nicht nach der Meinung des Weisen, er hält sich schließlich selbst für einen.

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