Montag, 3. September 2012
Hierarchie.
diegodelawegda, 15:18h
Hierarchie
Ich stoße immer wieder gegen sie. Das reimt sich, ist aber trotzdem nicht gut. Als sei sie ein unsichtbarer Berg. Sie der Eisberg und ich die Titanic und beim Ertrinken denke ich immer wieder: „Wo kam die denn jetzt schon wieder her???“.
Gibt es wirklich so etwas wie Eigenschaften, Marotten eines Volkes? Mir gefällt es eigentlich nicht, aber es gibt schon typisch deutsche Sachen. Vielleicht nicht nur deutsch. Eben die Hierarchie-Liebe. Bei wissenschaftlicher Arbeit habe ich tatsächlich festgestellt, dass sowohl Forschung als auch Forscher aus unterschiedlichen Ländern höchst unterschiedlich mit Hierarchie umgehen. Angelsachsen sind definitiv sehr viel individueller als Europäer und gestehen anderen auch mehr Individualität zu. Ein deutscher Professor würde niemals mit einem fremden Kongressteilnehmer sprechen, so er sich nicht sicher ist, einen einigermaßen gleichrangigen Kollegen vor sich zu haben. Der sagt ja nicht einmal Hallo. Brrr. Für einen Professor aus Harvard oder eine Professorin aus Oxford ist das überhaupt kein Thema (ich kenne Tausende von Professoren aus Harvard und Oxford. Wenn nicht alle...)
Ungarische oder polnische Forscher sind genau so buckelnd wie Deutsche, vielleicht sogar noch buckelnder, dafür sind sie höflicher. Ukrainer neigen nach meiner Erfahrung deutlich mehr zum Widerspruch und Zweifeln als Russen. Ist doch komisch, oder?
Götz Aly hat sehr schön herausgearbeitet, dass es in Deutschland seit dem 19. Jh. einen deutlichen Hang zur Ablehnung von Individualität gab. Liberalismus, Demokratie galt nicht dem Individuum sondern der Klasse. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern. Von der Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit ließ man bei den deutschen Revolutionären genau wie in Russland die Freiheit einfach weg. Wichtig war das Volk, nicht der Mensch.
So viel zur Aufklärung.
Wir nagen immer noch daran, ist doch der Sinn von Universität und Schule heute komplett auf Ausbildung von Humankapital reduziert. Nach Humboldt sollte sich das Individuum (heraus)bilden und so automatisch das Beste für sich und damit die Gesellschaft leisten. Es lässt sich wohl weniger sagen, dass dieser Ansatz gescheitert ist, als viel mehr gescheitert worden ist.
Ich komme darauf, weil ich im Kindergarten heute wieder so einen Spruch hörte. (Zu einem Kind) „Du brauchst dir keine Gedanken um die anderen machen, das machen wir, wir sind schließlich Erwachsene“. Das Kind war mein Sohn und er hat nicht verstanden, warum es ein Privileg der Erwachsenen sein soll, sich um andere zu sorgen. Ich habe es auch nicht verstanden. Erwachsen zu sein ist keine Kompetenz. Professor zu sein ist keine Kompetenz, wenn manche das auch glauben mögen. Man wird nicht mit 18 klug. Und mit einem Titel auch nicht. Für manchen wäre es sehr viel einfacher, klug zu werden, wenn die anderen einen dabei mit ihrem Schmarrn einfach in Ruhe ließen.
Ich stoße immer wieder gegen sie. Das reimt sich, ist aber trotzdem nicht gut. Als sei sie ein unsichtbarer Berg. Sie der Eisberg und ich die Titanic und beim Ertrinken denke ich immer wieder: „Wo kam die denn jetzt schon wieder her???“.
Gibt es wirklich so etwas wie Eigenschaften, Marotten eines Volkes? Mir gefällt es eigentlich nicht, aber es gibt schon typisch deutsche Sachen. Vielleicht nicht nur deutsch. Eben die Hierarchie-Liebe. Bei wissenschaftlicher Arbeit habe ich tatsächlich festgestellt, dass sowohl Forschung als auch Forscher aus unterschiedlichen Ländern höchst unterschiedlich mit Hierarchie umgehen. Angelsachsen sind definitiv sehr viel individueller als Europäer und gestehen anderen auch mehr Individualität zu. Ein deutscher Professor würde niemals mit einem fremden Kongressteilnehmer sprechen, so er sich nicht sicher ist, einen einigermaßen gleichrangigen Kollegen vor sich zu haben. Der sagt ja nicht einmal Hallo. Brrr. Für einen Professor aus Harvard oder eine Professorin aus Oxford ist das überhaupt kein Thema (ich kenne Tausende von Professoren aus Harvard und Oxford. Wenn nicht alle...)
Ungarische oder polnische Forscher sind genau so buckelnd wie Deutsche, vielleicht sogar noch buckelnder, dafür sind sie höflicher. Ukrainer neigen nach meiner Erfahrung deutlich mehr zum Widerspruch und Zweifeln als Russen. Ist doch komisch, oder?
Götz Aly hat sehr schön herausgearbeitet, dass es in Deutschland seit dem 19. Jh. einen deutlichen Hang zur Ablehnung von Individualität gab. Liberalismus, Demokratie galt nicht dem Individuum sondern der Klasse. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern. Von der Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit ließ man bei den deutschen Revolutionären genau wie in Russland die Freiheit einfach weg. Wichtig war das Volk, nicht der Mensch.
So viel zur Aufklärung.
Wir nagen immer noch daran, ist doch der Sinn von Universität und Schule heute komplett auf Ausbildung von Humankapital reduziert. Nach Humboldt sollte sich das Individuum (heraus)bilden und so automatisch das Beste für sich und damit die Gesellschaft leisten. Es lässt sich wohl weniger sagen, dass dieser Ansatz gescheitert ist, als viel mehr gescheitert worden ist.
Ich komme darauf, weil ich im Kindergarten heute wieder so einen Spruch hörte. (Zu einem Kind) „Du brauchst dir keine Gedanken um die anderen machen, das machen wir, wir sind schließlich Erwachsene“. Das Kind war mein Sohn und er hat nicht verstanden, warum es ein Privileg der Erwachsenen sein soll, sich um andere zu sorgen. Ich habe es auch nicht verstanden. Erwachsen zu sein ist keine Kompetenz. Professor zu sein ist keine Kompetenz, wenn manche das auch glauben mögen. Man wird nicht mit 18 klug. Und mit einem Titel auch nicht. Für manchen wäre es sehr viel einfacher, klug zu werden, wenn die anderen einen dabei mit ihrem Schmarrn einfach in Ruhe ließen.
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